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Berichte über spannende Themen

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Belastung verschiedener Zuggeschirre beim Kurvenfahren unter Berücksichtigung der hundlichen Anatomie

Wenn wir uns für ein Zuggeschirr entscheiden, müssen wir verschiedene Faktoren berücksichtigen.

  • Was genau soll der Hund ziehen
  • Wie trifft die Jöringleine auf das Zuggeschirr
  • Wie wird das Geschirr beim Kurvenfahren belastet
  • Eignet sich die Konstruktion des Geschirres für die jeweilige Zugvariante
  • Wurde bei der Geschirrkonstruktion die hundliche Anatomie mit berücksichtigt
  • Ist das Geschirr gut gepolstert?
  • Eignet sich das Geschirr von der Konstruktion her überhaupt für meinen Hund
  • Kann ich das Geschirr individuell an den Hund anpassen
  • Wie ist das Brustteil beschaffen 
  • Bleiben die Schulterblätter frei beweglich
  • Bleibt an den Achseln genügend Platz, damit das Geschirr nicht scheuert

Mit diesem Bericht möchte ich einen ganz nüchternen Blick auf das Kurvenfahrverhalten der verschieden Geschirrtypen unter Berücksichtigung der hundlichen Anatomie werfen.

  • 1.  Bei den Zugvarianten, bei denen die Jöringleine von schräg oben kommt wie z.B. Canicross, Dogscooting, Bikejöring und THS. Ich benutze im Text stellvertretend für diese Zugvariante das Wort Dogscooting.
  • 2.  Bei den Zugvarianten,  bei der die Leine schräg von unten oder seitlich schräg von unten kommt, wie am Schlitten.
  • 3.  Ich gehe bei meinen Überlegungen davon aus, dass die Geschirre perfekt sitzen.

Zur Verdeutlichung der Problematik trägt ein Hundeskelett die Geschirre. Die Leinen können allerdings am Skelett nicht voll gespannt werden.

Beginnen möchte ich mit verschiedenen Renngeschirrtypen.

Bei allen Renngeschirren wird beim Dogscooting durch die schräg von hinten oben kommende Leine das letzte Drittel des Geschirrs leicht vom Hunderücken hochgehoben. Und genau das ist die Krux und macht deutlich, dass sich Renngeschirre nicht grundsätzlich für die Zugvariante Dogscooting eignen.

 

V-Backgeschirre. V-Back bedeutet, dass das Geschirr auf dem Hunderücken einen V-förmigen Verlauf hat.

Foto 1 Renngeschirr vom V-back Typ am Scooter     Foto 2 Renngeschirr vom V-back Typ am Scooter

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Beim Dogscooting trifft die Jöringleine von schräg oben auf das Geschirr. Das Geschirr wird dadurch leicht vom Hunderücken abgehoben.  Man kann das auf den Fotos gut erkennen. Auf Foto 1 ist sehr deutlich zu sehen, dass beim Kurvenfahren die Kurveninnenseite entlastet wird, und die Kurvenaußenseite höher belastet wird. Das führt dazu, dass dem Hund der Seitenriemen beim Kurvenfahren auf der Kurvenaußenseite in die Tallie einschneidet. Auf Foto 2 ist sehr deutlich zu sehen wie der Seitenriemen in die Tallie einschneidet.  In der Tallie gibt es beim Hund keinen knöchernen Widerstand und hier befinden sich innere Organe. Ein Geschirr, dass dem Hund in die Tallie einschneidet, ist für den Hund nicht nur äußerst unangenehm, es ist auf Grund der Empfindlichkeit der Tallie auch untragbar.

Foto 3 Das gleiche Geschirr am Schlitten               Foto 4 Das gleiche Geschirr am Schlitten

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Jetzt schauen wir uns das gleiche Geschirr am Schlitten an. Benutzter Schlitten Speedy III von RSS.  Man sieht schön, dass das Geschirr durch die von schräg unten kommene Zugleine komplett anders belastet wird. Beim Kurvenfahren bieten jetzt die Darmbeinflügel einen knöchernen Widerstand, so dass das Geschirr nicht in die Tallie einschneidet. Die Seiten- und Schultergurte sind so konstruiert, dass sie den Zugdruck, der vom Schlitten kommt gleichmässig auf die Brust übertragen können.  Dieses Geschirr eignet sich daher gut für den Schlitten. Für das Dogscooing ist dieses Geschirr von der Konstruktion her leider nicht geeignet.

 

Jetzt werfen wir einen Blick auf die X-Backgeschirre am Dogscooter und am Schlitten. X-Back bedeutet, das das Geschirr auf dem Hunderücken ein Kreuz bildet.

Foto 5 X-Backgeschirr am Dogscooter                      Foto 6 X-Backgeschirr am Schlitten                  

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Auf Foto 5 können wir wieder sehen, wie das Geschirr vom Hundeköprer abgehoben wird und entsprechend in die Tallie einschneidet. Auf Foto 6 kann man sehr gut die Darmbeiflügel sehen die den knöchernen Widerstand leisten. X-Backgeschirre eignen sich hervorragend für den Schlitten, für das Dogscooting sind sie allerdings auch nicht geeignet.

 

Jetzt schauen wir uns die H-Backgeschirre unter den Renngeschirren an. H-Back bedeutet, dass das Geschirr auf dem Hunderücken ein H bildet.

Foto 7 H-Backgeschirr am Dogscooter                       Foto 8 H-Backgeschirr am Schlitten

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Dieser Geschirrtyp ist von der Konstruktion so gebaut, dass die Seitenriemen auf den Rippen sitzen. Wenn das Geschirr gut sitzt, verlaufen die Seitenriemen idealerweise über den Rippenbogen schräg nach oben zum Rücken. Durch diese Konstruktion kann das Geschirr beim Kurvenfahren nicht in die Tallie einschneiden Foto 7. Nach hinten ist das Geschirr zur H-Form verlängert. Dadurch ist es auch für den Schlitten geeignet. Auf Foto 8 sieht man wieder den Widerstand der Darmbeinflügel, wenn die Zugleine von schräg unten kommt. Dieses Geschirr ist sowohl für das Dogscooting als auch für den Schlitten geeignet. Zudem ist die Rückenlänge und die Brustweite einstellbar

 

Canicrossgeschirre

Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht wie die Renngeschirre am Rutenansatz enden. Daher sind sie für den Schlitten ungeeignet, aber hervorragend für Dogscooting geeignet.

Foto 9  Canicrossgeschirr am Dogscooter

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Der Verlauf der Seitenriemen folgt auch hier dem Rippenbogen nach oben auf den Rücken des Hundes. Dort ist der Einhängering, der idealerweise unterpolstert ist. Bei diesem Geschirrtyp kann der Seitenriemen nicht in die Tallie einschneiden, wenn das Geschirr dem Hund gut passt. Bei den fürs Dogscooting geeigneten Renngeschirren (H-Geschirren) wird das letzte Drittel des Geschirrs vom Rücken abgehoben. Bei den Canicrossgeschirren, hat man sich das letzte Drittel einfach gespart, weil es am Dogscooter eh keine Funktion hat.  Bei diesem Geschirrtyp hat vorallem der Läufer eine bessere Kontrolle über seinen Hund. Bei diesem Geschirr auf dem Foto ist die Halsweite, der Brustumfang und die Rückenlänge einstellbar. Daher eignet es sich für fast jeden Hundetyp.